Rauschende Wellen

Lena und die Sehnsucht

Jeden Abend, wenn die Sonne den Himmel über dem Meer in Gold und Rot färbte, saß Lena auf ihrer Bank unter der alten Laterne. Die Leute aus dem Ort kannten das Bild seit vielen Jahren. Manche grüßten sie, manche lächelten nur. Doch kaum jemand kannte den Grund, warum sie immer dort saß.

Vor fünfundzwanzig Jahren war ihr Mann Johann mit seinem kleinen Segelschiff zu einer langen Reise aufgebrochen. Er war Seemann gewesen, einer von denen, die das Meer mehr liebten als das Land.

Doch eines Tages kam die Nachricht.

Ein schwerer Sturm hatte sein Schiff weit draußen auf dem Atlantik erfasst. Wrackteile wurden gefunden, aber von Johann fehlte jede Spur. Die Reederei erklärte ihn für verschollen.

Die Menschen im Ort trauerten. Seine Freunde legten Blumen am Hafen nieder. Seine Familie hielt eine Gedenkfeier ab.

Nur Lena konnte sich nie ganz verabschieden.

Nicht weil sie glaubte, dass er noch lebte. Tief in ihrem Herzen wusste sie, dass das Meer ihn längst zu sich genommen hatte.

Aber sie erinnerte sich an seine letzten Worte vor der Abfahrt:

„Wenn du mich vermisst, schau auf den Sonnenuntergang. Dort werde ich immer bei dir sein.“

Seitdem kam sie jeden Abend an diesen Platz.

An diesem Abend war das Meer spiegelglatt. Die Sonne hing wie eine glühende Kugel über dem Horizont, und das Licht zog eine goldene Straße über das Wasser.

Dann entdeckte Lena ein kleines Segelboot.

Es schien direkt aus dem Licht der untergehenden Sonne hervorzukommen. Lautlos glitt es über das Wasser. Die weißen Segel leuchteten im Abendrot.

Für einen Augenblick glaubte sie, eine Gestalt am Steuer zu erkennen.

Nicht wirklich.

Mehr eine Erinnerung.

Mehr ein Gefühl.

Sie dachte an Johanns Lachen. An seine wettergegerbten Hände. An die Geschichten von fernen Häfen und stürmischen Nächten auf See.

Eine Träne lief über ihre Wange.

Nicht aus Trauer.

Sondern weil sie begriff, dass Liebe nicht verschwindet, nur weil ein Mensch fort ist.

Das Boot segelte langsam weiter und verschmolz schließlich mit dem Licht der sinkenden Sonne.

Lena lächelte.

„Du bist also doch zurückgekommen“, flüsterte sie.

Nicht aus dem fernen Meer.

Nicht aus den Tiefen der Wellen.

Sondern aus ihren Erinnerungen.

Und während die Dämmerung über das Wasser zog und die Laterne neben ihr zu leuchten begann, fühlte sie sich ihm näher als in all den Jahren zuvor

Beschreibung:

Acryl auf Leinwand.

Mit Klarlack versiegelt.

Handgemalt von B.Cordes

Grösse: ca 73 x 53 cm

Preis: 100,00 €